Eleftherios Hatziioannou

Mitgründer und Geschäftsführer smoope GmbH

Digitalisierung. Für viele Personen nach wie vor Neuland und Modewort. Zahlreiche Unternehmen, Produkte und Branchen verändern sich dadurch und werden zukünftig aus einem anderen Umfeld heraus existieren. In Zeiten der digitalen Transformation sind Wandel und Veränderung zentrale Erfolgsfaktoren, um neue Chancen und Innovationsfelder zu nutzen.

Teil 1 des Interviews mit Eleftherios Hatziioannou, Mitgründer und Geschäftsführer der smoope GmbH, zu den Themen Digitalisierung,  Innovationen im Start-Up Bereich und Innovationsentwicklungen am Standort Stuttgart.

Interview Als Einführung für unsere Leser/innen gilt die erste Frage der Unternehmensvorstellung. Schildere uns bitte, wie es zur Gründung von smoope kam?

Hatziioannou Als dualer Student habe ich bei der smart GmbH und anschließend mehrere Jahre für die Daimler AG in verschiedenen Positionen im Marketingbereich gearbeitet. In unserem Start-Up zähle ich daher zum sogenannten Corporate Guy und bin mit den Prozessen und Strukturen von großen Unternehmen vertraut. Ende 2010 habe ich mich dazu entschieden, meine Erfahrungen aus meiner beruflichen Laufbahn zu nutzen, um Unternehmen zu auf Ihrem Weg in die digitale Ära zu beraten. Aus der Beratungstätigkeit und der Verbindung zu meinem Mitgründer Halil entstand die Idee zu smoope. Als Berater habe ich mir die Fragen gestellt, welche großen Veränderungen im Kommunikationsbereich bevorstehen und wie mögliche Entwicklungen nach Facebook, Twitter & Co aussehen könnten. Als Mobilfunkunternehmer hat Halil sich die gleiche Frage gestellt – allerdings noch stärker aus der Geschäftspraxis kommend: Wie kann ich bessere Erreichbarkeit und Vernetzung mit meinen Kunden erreichen? Wir hatten festgestellt, dass Messenger-Lösungen im privaten Bereich eine immer wichtigere Rollen einnehmen und Menschen weltweit über diverse Messenger-Apps kommunizieren – in China über WeChat, in Russland über Telegram, in Japan über Line und in anderen Ländern der Welt beispielsweise über WhatsApp. Wir haben im Oktober 2013 die smoope GmbH gegründet, um auf Basis von sicherer Messaging-Technologie auch Unternehmen mit Ihren Kunden zu vernetzen.

Interview Was sind die Kernkompetenzen von smoope und was unterscheidet Euch von anderen Anbietern?

Hatziioannou Wir sind darauf spezialisiert Messenger-basierte Kommunikationslösungen für Unternehmen zu entwickeln. Wir bieten mit unseren Lösungen für Kommunikation an, die insbesondere für den Einsatz in sensiblen Bereichen, die meist von Datenschutz und Sicherheit geprägt sind, Anwendung finden. Wir bieten sogenanntes Messaging-as-a-Service, mit dem Unternehmen sich an unsere Infrastruktur andocken können, um Messenger-basierte Kommunikation in den Bereichen Kundenservice, Kundenberatung, Bewerberkommunikation oder zahlreichen weiteren Anwendungsgebieten anzubieten. Im Vergleich zu bestehenden Lösungen, wie z.B. E-Mail und Telefon, bieten wir eine Form der Kommunikation an, die diskrete Echtzeitkommunikation ermöglicht und aufgrund ihrer Schnelligkeit optimal zum Alltag heutiger Anspruchsgruppen passt. Es ist letztlich das, was viele Menschen bereits aus Ihrem privaten Umfeld tun – nur eben jetzt auch mit Unternehmen, Dienstleistern, Marken, Lieferanten, Mitarbeitern.

Interview Wie können wir uns diese Art der Kommunikation vorstellen?

Hatziioannou Unabhängig davon, ob Kunden über webbasierte Kundenportale oder über mobile Endgeräte mit Unternehmen Kontakt aufnehmen, schaffen wir komfortable und schnelle Möglichkeiten zur Interaktion – nämlich in Form von Messenger-Interfaces als Alternative zum Kontaktformular, Telefon-Hotlines oder E-Mails. Außerdem bietet unsere Lösung über die klassische Mensch-zu-Mensch-Kommunikationen hinaus, auch Möglichkeiten für Automatisierungen, z.B. mit Hilfe von Bots. Diese Art der Kommunikation hat aus Kundensicht den Vorteil, dass Informationen schneller und zu jeder Tageszeit ausgetauscht werden können. Andererseits können Unternehmen mittels Self Services hohe Effizienzpotenziale erzielen. Wir sind gleichzeitig überzeugt, dass – zumindest in den nächsten Jahren – die besten Ergebnisse immer noch im Zusammenspiel zwischen Mensch und Maschine erzielt werden.

Bildquelle: Christoph Kübler

Interview Wie würdest Du, ohne Fachbücher aufzuschlagen, den Begriff Innovation beschreiben?

Hatziioannou Innovation steht für mich dafür, neue Wege zu gehen und neue Lösungsansätze zu finden. Es geht sowohl um Lösungen für bestehende Probleme als auch für Probleme, von denen wir bisher noch nicht wussten. Es geht darum, etwas noch zielführender, noch komfortabler, noch einfacher zu gestalten. Ein Beispiel für so ein nicht existentes Problem ist Instagram. Mit einem Smartphone ausgestattet ist jeder heute potentiell ein professioneller Fotograf geworden und kann mit ein paar Filtern schnell und einfach schöne Bilder erstellen. Da ist ein neuer Bedarf entstanden und es wurde ein Problem gelöst, dass uns in dieser Form vor der Smartphone-Ära nicht bekannt war: Immer und überall schöne Bilder zu machen und sie mit Anderen zu teilen. Bei Innovationen geht es darum, neue Wege zu gehen, neue Lösungsansätze zu schaffen, um einerseits bestehende Probleme zu lösen, aber auch neue Bedürfnisse zu wecken.

Interview In welchem Zusammenhang stehen Problemlösungskompetenz und Innovationen?

Hatziioannou Wenn wir über Unternehmertun und nicht über Erfindergeist sprechen, sind Innovationen meist dann erfolgreich, wenn Probleme gelöst, Mehrwerte geschaffen werden. Innovationen werden nicht überleben, wenn keine Akzeptanz im Markt vorhanden ist. Letztlich müssen Innovationen Kundenprobleme lösen, Prozesse optimieren, um somit Mehrwert zu schaffen, der wiederum mit einer Gegenleistung, z.B. in monetärer Form belegt wird. Es gibt viele Menschen, die Ideen haben, doch im Unternehmenskontext müssen Innovationen einen Markt finden, um erfolgreich zu sein.

„Bei Innovationen geht es darum, neue Wege zu gehen, neue Lösungsansätze zu schaffen, um einerseits bestehende Probleme zu lösen als auch andererseits neue Bedürfnisse zu wecken.“

Interview Inwiefern unterscheiden sich Großkonzerne und Startups im Bereich der Innovation?

Hatziioannou Zunächst bestehen Gemeinsamkeiten, unabhängig ob man Innovator in einem Großkonzern oder Startup ist darin, dass man Mut mitbringen muss, eine Idee anzupacken, loszulegen, hinzufallen und wieder aufzustehen. Meiner Erfahrung nach, bieten Startups ein besseres Umfeld um Fehler zu machen, hinzufallen, weil es in der Natur der Sache ist, dass nicht alles glatt läuft. In einem großen Konzern muss jeder Schritt gefühlt sitzen und zusätzlich machen Kontrollmechanismen, Zielvorgaben und Hierarchien das Innovatoren-Dasein schwerer. In diesem Zusammenhang kommt in etablierten Unternehmen oftmals mangelnde Fehlerkultur hinzu. Um letztlich Lösungen zu finden und zu adaptieren, müssen jedoch Fehler gemacht werden. Thomas Edison hat diese Eigenschaft zu seiner Zeit erkannt, als er bei der Entwicklung der Glühbirne mehrere Tausend Wege entdeckte, die nicht zur Lösung führten und mit jedem Fehlversuch einen Weg ausschließen konnte, der nicht zur richtigen Lösung führte. Letztlich unterscheiden sich Startup und Konzern darin, dass Startups zwar weniger Ressourcen zur Verfügung stehen, aber auch eine höhere Offenheit für neue Wege vorhanden ist. In Konzernen stehen in der Regel ausreichend Ressourcen zur Umsetzung zur Verfügung, allerdings traut sich keiner risikobehaftete Wege einzugehen. Mit diesem Hintergrund glaube ich, dass beide Welten sehr gut zueinander passen und zahlreiche Ergänzungsmöglichkeiten bieten.

Interview Ist in der Verbindung beider Welten auch eine Art von Risikominimierung wiederzufinden?

Hatziioannou Sagen wir so, Risikominimierung ist eine negative Ausdrucksform. Man könnte es auch positiv sehen und von Chancenmaximierung sprechen. Ein Startup, das mit einem großen Unternehmen in Kontakt kommt, hat theoretisch schon einen ersten Kunden und kann in dieser Verbindung teure Werkzeuge und Maschinen von Unternehmen zur Prototypenentwicklung nutzen. Das ist nur ein Teilgebiet der Themen, bei denen ich glaube, dass wenn die richtigen Partner zusammenkommen, etwas wirklich tolles Neues entstehen kann und damit die Erfolgschancen wachsen.

 

Das Interview führte Jonas Baumann.

Teil 2 des Interviews in Kürze online.

Die smoope GmbH ist ein junges Unternehmen aus dem Raum Stuttgart, das Messenger-basierte Kommunikationslösungen für Unternehmen entwickelt. Sogenannte Messenger haben sich neben Telefon und E-Mail zu einem neuen Kommunikationsstandard entwickelt. Detaillierte Informationen zum Unternehmen erhalten Sie über folgenden Link: www.smoope.com

2 Kommentare

  1. Eleftherios Hatziioannou

    Danke für den Besuch und das angenehme Gespräch. Wir brauchen in BW wieder einen stärkeren Innovationsgeist, Mut und die Bereitschaft, neue Wege zu gehen – vorallem in etablierten Unternehmen und Branchen. Ich denke, dass hier Startups einen Beitrag leisten können, dafür müssen sich die „Grossen“ jedoch auch öffnen. Beiträge und Blogs wie dieser können dabei helfen, das Thema wieder stärker in den Fokus zu rücken und ggf. auch die richtigen Leute zusammenzubringen. Danke dafür!

    Antworten
    • Jonas Baumann

      Vielen Dank für deinen Beitrag – sehr spannend zu sehen, wie beide Strukturen (Konzern und Startup) im Bereich der Innovation Kooperationsmöglichkeiten bieten. Die Vernetzung von Menschen ist ein wesentlicher Erfolgsfaktor. Ein Ziel unseres Blogs ist es diese einfacher zu gestalten. Beste Grüße

      Antworten

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