Dr. Oliver Kelkar

Leiter Produkt- und Innovationsmanagement MHP – A Porsche Company

Das Fahrzeug. Ein Fortbewegungsmittel, das Innovationen direkt erlebbar und sichtbar macht. Zukünftig wird das Fahrzeug, wie wir es heute kennen, ein anderes sein. Neue Antriebssysteme, autonomes Fahren und die Digitalisierung stehen lediglich für drei Entwicklungen. Zahlreiche Chancen für vielfältige Innovationsfelder ergeben sich für die Automobilindustrie.

Teil 2 des Interviews mit Dr. Oliver Kelkar, Leiter Produkt- & Innovationsmanagement beim Porsche-Tochterunternehmen MHP – A Porsche Company, zu spezifischen Innovationsentwicklungen und zum Thema Innovationskultur.

Interview Welche Werkzeuge verwenden Sie, um zukünftige Entwicklungen zu identifizieren?

Dr. Kelkar Es gibt zahlreiche Werkzeuge, wie die Integration eines Technologieradars oder eines Innovationsgeschäftsmodellradars, mit dem Metatrends und die Entwicklung dieser überprüft werden. Auf Technologieseite gibt es den Gartner Hype Cycle, den wir verwenden, um zu überprüfen, in welcher Phase sich eine Technologie befindet. Ich bin davon überzeugt, dass die Basiswerkzeuge Lesen, Anschauen, Austauschen, ein eigenes Bild machen und sich mit dem Thema auseinander setzen einen hohen Stellenwert einnehmen. Wir bilden hierfür Innovation Communities bei denen wir uns mit kreativen und neugierigen Personen, mit unseren Kunden und unserem Partnernetzwerk treffen, austauschen und inspirieren.

Interview  Haben Sie für die Treffen eine feste und geregelte Struktur?

Dr. Kelkar Das zielt darauf ab, wie man Innovationen entwickeln kann. Hierfür gibt es verschiedene Modelle der zielgerichteten Entwicklung. Ich finde, diese Modelle unterstützen, aber es braucht einfach die Köpfe und die richtige Situation dazu. Es kann sein, man hat die fünf besten Leute zusammengetrommelt mit der Aufgabe jetzt innovativ zu sein, aber in dem Moment hat es draußen 30 Grad, keiner bekommt etwas auf die Reihe und keiner ist innovativ – das passiert. Innovation auf Knopfdruck funktioniert nicht.

Interview Würden Sie die Begriffe innovativ und kreativ gleichsetzen?

Dr. Kelkar Gleichsetzen würde ich die beiden Begriffe nicht, aber für mich ist ein starker Bezug erkennbar. Insbesondere die Ideenphase hat viel mit Kreativität zu tun. Wenn man sich austauscht, kommt man meistens nicht direkt auf gute Ideen – meist durchläuft man einen Reifeprozess, bei dem sich eine Idee durch Kreativität und weiteren Austausch weiterentwickelt. Erkennbar ist, dass es Unternehmen gibt, die mehr Innovationen in den Markt bringen als andere. Hierfür sind nicht allein geregelte Strukturen innerhalb des Innovationsprozesses verantwortlich sondern vielmehr verschiedene Umfeldparameter. Bei einem Blick ins Silicon Valley fällt auf, dass dort die wenigsten Unternehmen einen geregelten Innovationsprozess integrieren und trotzdem einen wahnsinnigen Output generieren.

„Der Raum Silicon Valley bringt eine besondere Innovationskultur mit sich. Die Mitarbeiter, die Studenten aus Stanford etc., die sprühen vor Ideen..“

Interview Können Sie erklären, warum das Silicon Valley in Bezug auf Innovation besonders ist?

Dr. Kelkar Für mich sind insbesondere kulturelle Unterschiede erkennbar. Der Raum Silicon Valley bringt eine besondere Innovationskultur mit sich. Die Mitarbeiter, die Studenten aus Stanford etc., die sprühen vor Ideen. Die haben die Innovationskultur im Blut – da gibt es kein Bedürfnis nach einem geregelten Prozess. Ein weiterer Unterschied, liegt in der Fehlerkultur und Fehlertoleranz. Wenn ich eine Idee habe, dann darf ich die äußern, die Idee ausarbeiten und testen. Wenn die Idee anschließend nicht funktioniert, stehe ich in keiner Sackgasse. Bei MHP haben wir ein Labor geschaffen, dem wir den Namen <space\> 404 geben. Space steht hier für einen Freiraum für Gedanken, für eine „Spielwiese“ und 404 steht für einen Fehlercode aus dem Internet (Webseite konnte nicht gefunden werden) und somit für Fehlertoleranz.

 

Bildquelle: Christoph Kübler

Interview Zusammengefasst: Was benötigen Unternehmen, um innovativ zu sein?

Dr. Kelkar Die Innovationskultur und Neugier stehen über allem. Zum einen heißt das Vorleben und Vorbild sein und zum anderen neugierig sein. Wenn man neugierig ist, passiert etwas. Mitarbeiter am neugierig sein zu hindern, wie das oftmals in großen Konzernen passiert, hemmt die Innovationsfähigkeit. Ein weiterer Faktor, den uns die Amerikaner vorleben, stellt die erwähnte Fehlertoleranz dar. Wagniskapitalgeber investieren in Unternehmer, die bereits Unternehmen in den Sand gesetzt und somit wertvolle Erfahrungen gemacht haben. Zusätzlich ist es wichtig, den Mitarbeitern einen Freiraum zu bieten – eine Spielwiese, die es ermöglicht auszuprobieren und Erfahrungen zu machen.
 

Interview Die abschließende Frage: Was für Besonderheiten weist die Wirtschaftsregion Stuttgart auf?

Baden-Württemberg das Land der Tüftler. In der Region haben wir äußerst erfolgreiche Unternehmen. Ich erinnere mich an meine Zeit bei Fraunhofer, als ein neuer Kollege aus Hamburg zugezogen ist und am Wochenende die Gegend erkundet hat. Am Montag hat er berichtet: „Das ist der Wahnsinn, hier fährst du rum und alle 20 Minuten triffst du einen Weltmarktführer.“ Hier im Mittleren Neckarraum sitzen Unternehmen wie Festo und Kärcher, eine starke Automobil- und Zulieferindustrie, die eine wahnsinnig interessante Region mit interessanten Produkten und Tüftlern bilden. Wo wir deutlich besser werden können und das insbesondere im Hinblick auf Industrie 4.0 ist die Vernetzung der Unternehmen. Die Unternehmen sind mit Ihren Kunden und Märkten oft stark isoliert und profitieren kaum voneinander. Wir müssen uns hier stärker, wie zum Beispiel in skandinavischen Ländern, miteinander vernetzen.

 

Das Interview führte Jonas Baumann im September 2016.

Teil 1 des Interviews erhalten Sie im Digitalmagazin.

MHP gehört als Porsche-Tochterunternehmen und Prozesslieferant mit dem Beratungsansatz der Symbiose aus Management- und IT-Beratung sowie als Automotive-Experte zu den führenden Beratungen weltweit. Detaillierte Informationen zum Unternehmen erhalten Sie über folgenden Link:  www.mhp.com

 

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