Eleftherios Hatziioannou

Mitgründer und Geschäftsführer smoope GmbH

Digitalisierung. Für viele Personen nach wie vor Neuland und Modewort. Zahlreiche Unternehmen, Produkte und Branchen verändern sich dadurch und werden zukünftig aus einem anderen Umfeld heraus existieren. In Zeiten der digitalen Transformation sind Wandel und Veränderung zentrale Erfolgsfaktoren, um neue Chancen und Innovationsfelder zu nutzen.

Teil 2 des Interviews mit Eleftherios Hatziioannou, Mitgründer und Geschäftsführer der smoope GmbH, zu den Themen Digitalisierung,  Innovationen im Start-Up Bereich und Innovationsentwicklungen am Standort Stuttgart.

Interview Worin bestehen im Bereich der Digitalisierung die größten Herausforderungen?

Hatziioannou Digitalisierung steht für Veränderung und somit für etwas Neues. Menschen waren noch nie gut darin, das Neue mit offenen Armen zu empfangen. Im Gegenteil, alles was neu erscheint, alles was mich zwingt mein Verhalten zu ändern und Ungewissheit mit sich bringt, ist zunächst negativ behaftet. Dieses Verhalten liegt im Ur-Instinkt von uns Menschen, um somit Schutz zu erfahren und unser Überleben zu sichern. Es ist wichtig, und das haben sehr viele Menschen und Unternehmen erkannt, dass sich das Rad trotzdem weiter dreht. Digitalisierung sollte nicht als Teil des Problems, sondern Teil der Lösung verstanden werden. Wie bei jedem Thema ist es auch in Digitalisierungsfragen förderlich, die Überzeugungskraft auf höchster Hierarchieebene zu schaffen. Je mehr der Chef an die Sache glaubt, desto schneller durchdringen diese Themen die gesamte Organisation. Unternehmen müssen sich dem Thema öffnen, eine Strategie entwickeln und sich von verschiedenen Perspektiven inspirieren lassen. Hierzu zählen beispielsweise Ideen von Mitarbeitern und Kunden. Ein Loslösen von vergangenheitsbezogenen Denkweisen hin zu zukunftsbezogenen Denkweise ist hierbei sicherlich zielführend. Generationen, die in der digitalen Welt aufgewachsen sind – die jungen Wilden, die Generation Y, spielen eine zentrale Rolle und können hierbei wichtige Impulse geben sowie dabei helfen zukünftige Produkte und Services zu beschreiben, da Sie den Kunden von heute bzw. morgen repräsentieren.

Interview Welche konkreten Werkzeuge oder Tools sind im Bereich der Digitalisierung für Unternehmen wichtig, um Innovationen zu entwickeln?

Hatziioannou Ein Werkzeug das meiner Meinung nach insbesondere in mittelständischen Unternehmen sehr gut funktionieren kann, ist das Konzept von Reverse-Mentoring. Normalerweise kennt man Mentoren-Konzepte in der Konstellation, dass die Älteren (Weisen) den Jungen sagen, wo es lang geht. Bei Reverse-Mentoring ist ein Perspektivenwechsel das Ziel. Der junge Mitarbeiter zeigt dem Älteren neue Lösungen und neue Wege. Sprich der Auszubildende begleitet den Geschäftsführer für einen bestimmten Zeitraum und beide Personen beobachten die Mediennutzung sowie andere Faktoren der anderen Seite. In dieser Konstellation können sich beide Welten kennenlernen und voneinander lernen. Der Geschäftsführer hat die Möglichkeit aktiv das Gespräch zu suchen und gezielt Fragen zu stellen, z.B.  wie würdest Du das lösen oder ist das überhaupt relevant was wir hier besprechen? Das halte ich für einen sehr interessanten Ansatz. Es ist wichtig, Bewusstsein zu schaffen und Mitarbeitern zu signalisieren, dass bestimmte Themen wichtig sind, um somit Offenheit zu schaffen.

Bildquelle: Christoph Kübler

Interview In welchem Zusammenhang stehen Innovation und Offenheit?

Hatziioannou Offenheit ist ein sehr wichtiges Stichwort. Ein Begriff der diese beiden Wörter miteinander verbindet ist mit dem Begriff Open Innovation zu beschreiben. Viele Ideen, die Unternehmen in die nächste Ära und Phase führen, sind oftmals bereits vorhanden. In zahlreichen Köpfen von Mitarbeitern, in geäußerten Bedürfnissen von Kunden und Lieferanten. Hier ist es wichtig, diese Punkte zu sammeln, zu nutzen und in verschiedenen Phasen einzubinden. Ich bin der Meinung, dass Offenheit äußerst wichtig ist und das in dieser Konstellation beide Welten von etablierten und jungen Unternehmen profitieren können.

Interview Was für Besonderheiten weisen beide Welten der Wirtschaftsregion Stuttgart auf?

Hatziioannou Wir werden weder ein besseres Berlin, noch ein neues Silicon Valley in der Region etablieren. Wichtig ist es, eine Region mit eigener Identität weiterzuentwickeln. Nennen wir es einfach mal Neckar Valley. In unserer Region sind zahlreiche etablierte Firmen vertreten, die in ihrem Bereich Weltmarktführer sind und somit den Grundpfeiler unserer heutigen Wirtschaft bilden. Hinzu kommt unsere schwäbische Arbeitsmentalität, die sich einerseits durch Sparsamkeit aber auch durch das Hinterfragen von Dingen und nicht blind darauf hin arbeiten kennzeichnet. Diese Eigenschaften sind sowohl eine Tugend als auch ein Problem. Um Neues zu schaffen, müssen neue Wege gegangen und etwas gewagt werden. Wir müssen mehr Risiko eingehen, uns gegenüber neuen Themen öffnen und weiter investieren, damit wir unsere Zukunft weiterhin erfolgreich gestalten. Nicht jeder Schritt wird von Erfolg gekrönt sein, aber das macht nichts. Ich weiß nicht, wie viel Fehlstarts das erste Automobil hatte, bevor es tatsächlich länger auf der Strecke unterwegs war. Genauso ist es heute auch – wir müssen Fehltritte zulassen, um Wege zur Lösung zu finden. Mehr Offenheit, mehr Mut und eine Zusammenarbeit auf Augenhöhe zwischen etablierten und neuen Unternehmen sind wichtige Erfolgsfaktoren zukünftiger Entwicklungen.

„Am Ende zählen die menschliche Vernetzung und Zusammenarbeit zu den zentralen Erfolgsfaktoren der Digitalisierung, denn hinter jeder Technologie stecken letztlich doch wieder Menschen.“

Interview Wie sehen erfolgreiche Zusammenarbeiten zwischen etablierten und Startup Unternehmen aus?

Hatziioannou Um erfolgreiche und von Innovation geprägte Zusammenarbeiten beider Welten zu etablieren, ist es ist wichtig Begegnungen auf Augenhöhe und somit zielführende Kooperationen aufzubauen. So ist es beispielsweise in Amerika nicht unüblich, dass Kooperationen mit kleinen Unternehmen mit winzigen Teams stattfinden. In Deutschland finden diese Formen der Kooperation nur selten statt. Oftmals werden Ideen kleiner Unternehmen von großen Unternehmen aufgenommen und anschließend selbst umgesetzt oder falls Kooperationen zu Stande kommen, bremsen existierende Entscheidungswege von Konzernen. Bis Entscheidungen für  Zusammenarbeiten oder Prototypen getroffen werden, kann es sein, dass kleine Unternehmen gar nicht mehr existieren. Um erfolgreiche Zusammenarbeiten beider Welten zu etablieren, benötigen wir deshalb Austausch und Kooperation auf Augenhöhe, die schnelle Entscheidungsprozesse und einen schnellen Zugang zu Unternehmen. Zusätzlich ist es wichtig, dass umfassender Austausch und Begegnungen in z.B. Co-Working Spaces stattfinden, in denen sich beide Welten begegnen können. Unterschätze niemals die Kraft spontaner Begegnungen. Am Ende zählen die menschliche Vernetzung und Zusammenarbeit zu den zentralen Erfolgsfaktoren der Digitalisierung, denn hinter jeder Technologie stecken letztlich doch wieder Menschen.

 

Das Interview führte Jonas Baumann.

Teil 1 des Interviews ist im Digitalmagazin gelistet.

Die smoope GmbH ist ein junges Unternehmen aus dem Raum Stuttgart, das Messenger-basierte Kommunikationslösungen für Unternehmen entwickelt. Sogenannte Messenger haben sich neben Telefon und E-Mail zu einem neuen Kommunikationsstandard entwickelt. Detaillierte Informationen zum Unternehmen erhalten Sie über folgenden Link: www.smoope.com

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