Thorsten Gröne

Mitgründer und Geschäftsführer Cevotec GmbH

Innovation an der Schnittstelle von Maschinenbau, Softwareentwicklung und Faserverbund – genau das verkörpert ein Münchener Startup, das die Industrialisierung in der Herstellung von komplexen CFK-Bauteilen vorantreibt. Was bisher aufwendig in Handarbeit erfolgte, kann nun, dank der Cevotec GmbH aus Taufkirchen bei München, automatisiert und maschinell erfolgen.

Teil 1 des Interviews mit Thorsten Gröne, Geschäftsführer und Mitgründer der Cevotec GmbH, zum Thema Innovation.

Interview Thorsten, was verkörpert Cevotec und was ist das Besondere an der Geschäftsidee?

Gröne Mit der Fertigungsanlage Samba auf Basis der innovativen Fiber Patch Placement Technologie und der darauf abgestimmten CAD-CAM Software Artist Studio bieten wir unseren Kunden die erste industrielle, automatisierte Fertigungslösung für die Serienproduktion von komplexen Carbonbauteilen (CFK). Kurz zur Erläuterung: Die Herausforderung bei der Verarbeitung von Carbonfasern ist, komplexe Formen mit genau definierten Oberflächen herzustellen, ohne dass Material zerschnitten und aufwändig manuell zusammengefügt werden muss. Bislang galt dabei: je länger die Faser im Bauteil, desto besser. Wir sagen: je genauer die Fasern am Kraftfluss ausgerichtet sind, desto besser und haben diesen Vorgang automatisiert. Dazu zerlegt unsere Software zunächst die Komplexität der Bauteile in ihre Bestandteile und optimiert die Orientierung der Fasern. Dann werden die beiden hochpräzisen Roboter in der Fertigungsanlage so programmiert, dass Samba die Bauteile aus kleinen Stückchen, den sogenannten „Patches“, additiv über Krümmungen und Kanten hinweg aufbauen kann. Dieses Verfahren hat mehrere Vorteile: Komplexe Formen können automatisiert hergestellt werden (bislang war vieles Handarbeit).  Wir erreichen eine extrem hohe Materialeffizienz durch Materialersparnis und einen sehr geringen Verschnitt. Und: die freie Ausrichtung der Fasern im Bauteil verbessert Festigkeit und Steifigkeit der Bauteile. So kann CFK zum Beispiel im Leichtbau effizient eingesetzt werden.

Bildquelle: Cevotec GmbH

Interview Das heißt letztlich, Cevotec verkörpert eine Innovation. Wie würdest Du, ohne Fachbücher aufzuschlagen, den Begriff Innovation beschreiben?

Gröne In diesem Bereich bin ich vorbelastet, da ich vor meiner Zeit bei Cevotec als Strategieberater tätig war und auch im Rahmen meines MBA-Studiums in Barcelona und Berkeley regelmäßig mit Innovationsthemen in Kontakt kam. Im wirtschaftlich relevanten Sinne muss Innovation meiner Meinung nach ein Vorsprung sein, der an eine konkrete Anwendungsmöglichkeit geknüpft ist. Dabei kann es sich um einen technischen Vorsprung handeln, was häufig der Fall ist, aber auch um einen Vorsprung, der sich durch andere Veränderungen ergibt, wie z.B. im Marketing und Vertrieb. Viele Startups stellen ihre Vision oder Werte an den Anfang einer Selbstvorstellung. Das sind wichtige Aspekte, sicher, aber wir fangen erstmal mit der Frage an, was denn eigentlich das Problem ist, das es zu lösen gilt. Worin bestehen meine Innovation und der Grund meines Unternehmensdaseins? Innovation muss zielgerichtet auf ein Problem angewandt werden, so dass das technisches Know-How und die wirtschaftliche Anwendung zusammenkommen. Technischer Vorsprung – oft der Kern einer Innovation – entsteht zumeist dort, wo sich verschiedene Disziplinen kreuzen. Wir bei Cevotec beschäftigen beispielsweise nicht nur Ingenieure, die ihren Schwerpunkt im Faserverbund haben, sondern auch Ingenieure, die ihren Schwerpunkt in Prozesstechnologie haben. Und vor allem auch Software-Ingenieure – die stellen aktuell das größte Team. Es ist genau diese Mischung, die Fortschritt entstehen lässt, wenn die unterschiedlichen Teams zusammen an einer Herausforderung arbeiten.

 

„Es muss etwas entstehen, was ein relevantes Problem von vielen Menschen löst. Das ist der Punkt.“

Neunzig Prozent der Innovationen werden immer noch am Produkt selbst umgesetzt. Das ist wichtig und ein gutes Produkt ist die Basis für Nachhaltigkeit. Nach dem Konzept der „Ten types of innovation“ (https://www.doblin.com/ten-types) geht es aber nicht nur um das Produkt, das ein Unternehmen innovativ macht, sondern auch um das, was drum herum geschieht. Beispielsweise um die Interaktion mit dem Kunden, die Vertriebswege oder auch um veränderte interne Strukturen und Prozesse. Um als nachhaltiger Innovator am Markt wahrgenommen zu werden und damit erfolgreich zu sein, sollte man mindestens an drei bis vier Schrauben drehen und sich nicht nur auf sein Produkt verlassen.

„Aus dem Begriff „Industrie 4.0“ wird bei uns deshalb auch gerne mal „Composites 4.0.““

Interview Würdest du sagen, dass Innovationen in Deutschland ausreichend gefördert werden?

Gröne An sich ist die Förderung in Deutschland durch staatlich geförderte Organisationen sehr gut gestaltet. Wir haben Cevotec im Rahmen des EXIST Forschungstransfer-Programmes des Bundeswirtschaftsministeriums gegründet. Es gibt sehr viele Möglichkeiten, vielleicht auch zu viele, wodurch man schnell die Übersicht verlieren kann. Nicht jede Förderung ist immer sinnvoll, aber es gibt genügend potenzielle Geldtöpfe für Startups und Mittelstand, die Innovationen fördern. Die Möglichkeiten sind in Deutschland wesentlich präsenter als beispielsweise in den angelsächsisch geprägten Ländern. Administration und Bürokratie könnten natürlich noch weiter vereinfacht werden, aber es geht auch immer um eine Menge Geld, so dass man gewisse formelle Anforderungen nachvollziehen kann. Man sollte sich von dem Paragraphendschungel nicht verunsichern lassen. Am Ende sitzen auch in den Behörden nur Menschen, und die wollen wie man selbst, das mögliche Förderprojekte erfolgreich durchgeführt werden. Und mit diesen Menschen kann man sprechen. Wir haben bislang gute Erfahrungen gemacht. Das Wichtigste für ein erfolgreiches Förderprojekt: etwas entwickeln, was ein relevantes Problem vieler Menschen löst.

 

Das Interview führte Bastian Brodbeck.

Teil 2 des Interviews wird in Kürze veröffentlicht.

Cevotec bietet mit Fiber Patch Placement die erste Produktionstechnologie für Carbonbauteile (CFK) an, die mit sogenannten Patches arbeitet und es Herstellern ermöglicht, komplexe CFK Produkte in hohen Stückzahlen automatisiert herzustellen. Detaillierte Informationen über das Unternehmen erhalten Sie über folgenden Link: www.cevotec.com

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