Thorsten Gröne

Mitgründer und Geschäftsführer Cevotec GmbH

Innovation an der Schnittstelle von Maschinenbau, Softwareentwicklung und Faserverbund – genau das verkörpert ein Münchener Startup, das die Industrialisierung in der Herstellung von komplexen CFK-Bauteilen vorantreibt. Was bisher aufwendig in Handarbeit erfolgte, kann nun, dank der Cevotec GmbH aus Taufkirchen bei München, automatisiert und maschinell erfolgen.

Teil 2 des Interviews mit Thorsten Gröne, Geschäftsführer und Mitgründer der Cevotec GmbH, zum Thema Innovation.

Interview Spiegelt sich denn Innovation auch in Eurer Firma wieder? Beispielsweise im Rahmen von Prozessen, Tools oder Anwendungen?

Gröne Gerade als Startup denkt man, man könnte auf jeden neuesten Trend aufspringen. Allerdings sollte man sich immer die Frage stellen, ob das auch sinnvoll ist und ob es zum eigenen Unternehmen und dessen Strukturen passt. Wie nutze ich Cloud Services sinnvoll, welche Tools verwende ich, wie effektiv gestalte ich meine Prozesse? Für fast alles gibt es heute eine digitalisierte Speziallösung, häufig als SaaS aus der Cloud. Als Unternehmer mit wenig Budget schaue ich immer nach der effektivsten Lösung, die heute und idealerweise noch in zwölf Monaten zu Cevotec passt. Prozesse und Tools sollten sich immer dem aktuellen Unternehmensstatus anpassen. Zwischen digitaler Buchhaltung und klassischen Laufzettel auf Papier kommt bei uns alles zum Einsatz. Die eingesetzten Tools müssen zu uns passen – egal ob digital oder analog. Wo wir uns aber definitiv absetzen wollen, ist unsere Außendarstellung. Die CFK-Branche ist recht traditionell. Damit wollen wir nicht brechen, aber durch unser Design und unsere Darstellung auffrischen. Unsere Technologie hat einen hohen innovativen Anspruch. Um die Technologie greifbar rüberzubringen, haben wir beispielsweise seit letztem Jahr Virtual-Reality-Brillen im Einsatz. Dadurch können Interessenten unsere Anlage in einem virtuellen Raum sehen und begutachten. Die Brillen sind auf der ersten Messe eingeschlagen wie eine Bombe. Das hat bislang am Markt keiner. Darüber hinaus können wir die Brille natürlich auch zu jedem Vertriebsgespräch mit potenziellen Neukunden mitnehmen und so die Anlage „live“ präsentieren. Das ist ein Wahrnehmungspeak, der hängen bleibt.

„Du musst als innovatives Unternehmen einen Wahrnehmungspeak erzeugen und herausstechen.“

Interview Innovation kann auch in der Unternehmenskultur eine Rolle spielen. Was hältst Du von den Arbeitsmodellen, die aus den USA zu uns nach Deutschland kommen? Google beispielsweise ist hier großer Vorreiter und wirbt mit flexiblen Arbeitszeiten auf Vertrauensbasis, Chillout-Areas oder Billardtischen in ihren Büros. Immer mehr Unternehmen in Deutschland folgen diesem Trend.

Gröne Ich stehe der ganzen Sache pragmatisch gegenüber. Auch hier muss man schauen, was zum eigenen Unternehmen passt oder nicht, und ob es meine Ziele als Unternehmen unterstützt. Flexible Arbeitszeiten sind bei uns Standard, wobei natürlich klar ist, dass jeder an Resultaten gemessen wird und sich die Zeit selbst sinnvoll einteilen muss. Tischkicker oder Billard-Tisch hat bei uns noch keiner vermisst. Aktuell haben wir auch keinen Platz dazu. Wenn wir sowas haben wollen würden, würden wir das sicher auch einrichten. Unsere Chillout-Area hingegen ist ein wichtiger Teil unserer Bürofläche: eine Couchlandschaft, die als Rückzugsort ebenso wie für Besprechungen genutzt wird. Was Mitarbeiter-Incentives angeht, kann man ohne großen Aufwand und hohe Kosten, aber mit ein wenig Kreativität  schon viel erreichen: Bei uns ist das gemeinsame Mittagessen in einer Top-Kantine mit Cevotec-Bezuschussung ein täglicher Fixtermin. Dazu kommen gemeinsame Events und Ausflüge, immer etwas Obst und Süßes im Schrank – wer sich für etwas einsetzt, soll sich dabei auch wohl fühlen. Ein gutes Büro kann nochmal ein Soft-fact sein, der den Arbeitsplatz attraktiver gestaltet. Ein attraktiver Arbeitsplatz ist sicher wichtig. Dies muss aber meiner Meinung nach nicht in dem Ausmaß erfolgen, wie es bei Google zu sehen ist. Google verfolgt andere Ziele als wir. Schöne und funktionale Möbel, schickes Wanddesign und ein ansprechender Boden bewirken schon Einiges. Bei uns zählt aber mehr, was es an Technik und Softwareausstattung gibt. Form follows function – das trifft bei uns jedenfalls so zu.

Bildquelle: Cevotec GmbH

Interview Als abschließende Frage: Was würdest du „innovativen Köpfen“ raten, die eine Idee haben, aber nicht so recht wissen, ob sie den nächsten Schritt wagen sollen?

Gröne Wer wirklich etwas starten möchte, aber einfach noch nicht weiß, wie vorzugehen ist, sollte am besten eine der zahlreichen Beratungsstellen aufsuchen, die es in Deutschland mittlerweile gibt. Hört sich einfach an, ist es auch. Das können Gründerzentren an Unis sein, wie hier in München z.B. die UnternehmerTUM, oder Netzwerke wie BayStartUp, aber auch die örtliche IHK oder private Gründerinitiativen. Des Weiteren kann man an einer der vielen Veranstaltungen in der Startup-Szene teilnehmen, relevante Newsletter lesen, mit Netzwerkern in der Szene über die eigene Idee sprechen. So kommt man Stück für Stück von der Idee zum Umsetzungskonzept. Den Schritt in die Gründung dann tatsächlich zu wagen, liegt letztlich aber immer an der Person selbst. Eine Unternehmensgründung ist mit Einschnitten verbunden. Da muss dann jeder für sich selbst abwägen, ob er diese Einschnitte in Kauf nehmen möchte oder nicht. Wer die intrinsische Motivation hat, der wird für sich eine Lösung finden. Und man sollte darauf achten, dass man das Ganze so angeht, dass man persönlich weiterleben kann, auch wenn die Gründungsidee eventuell gegen die Wand fährt – also nicht das Haus und die Oma auf die Geschäftsidee verpfänden. Letztendlich gibt es keine Innovation, die nicht auch ein Risiko birgt – dessen muss man sich bewusst sein.

 

Das Interview führte Bastian Brodbeck.

Teil 1 des Interviews ist im Digitalmagazin gelistet.

Cevotec bietet mit Fiber Patch Placement die erste Produktionstechnologie für Carbonbauteile (CFK) an, die mit sogenannten Patches arbeitet und es Herstellern ermöglicht, komplexe CFK Produkte in hohen Stückzahlen automatisiert herzustellen. Detaillierte Informationen über das Unternehmen erhalten Sie über folgenden Link: www.cevotec.com

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