Dr. Oliver Kelkar

Leiter Produkt- und Innovationsmanagement MHP – A Porsche Company

Das Fahrzeug. Ein Fortbewegungsmittel, das Innovationen direkt erlebbar und sichtbar macht. Zukünftig wird das Fahrzeug, wie wir es heute kennen, ein anderes sein. Neue Antriebssysteme, autonomes Fahren und die Digitalisierung stehen lediglich für drei Entwicklungen. Zahlreiche Chancen für vielfältige Innovationsfelder ergeben sich für die Automobilindustrie.

Teil 1 des Interviews mit Dr. Oliver Kelkar, Leiter Produkt- & Innovationsmanagement beim Porsche-Tochterunternehmen MHP – A Porsche Company, zu spezifischen Innovationsentwicklungen und zum Thema Innovationskultur.

Interview Als Einführung für unsere Leser/innen gilt die erste Frage der Unternehmensvorstellung. Schildern Sie uns bitte in welchen Bereichen MHP tätig ist und was MHP anders als seine Wettbewerber macht?

Dr. Kelkar …und warum es so erfolgreich läuft. Wir sind in vielen Bereichen überaus erfolgreich und stärker als unsere Mitbewerber. Mit einem jährlichen Wachstum von rund 20 Prozent und einer Wirtschaftlichkeit, die die unserer Mitbewerber deutlich übertrifft. Da kann man sich schon fragen, woher das kommt? So ganz genau, wissen wir das selber auch nicht [schmunzelt]. Als Management und IT-Beratungsunternehmen sind wir ein People-Business und vorrangig, zu etwa 80 Prozent, in der Automobilindustrie tätig. Unser Geschäftsmodell ist breit aufgestellt: Kompakt erklärt unterstützen wir Unternehmen schöne Autos zu bauen. Außer Softwarelösungen, bauen wir jedoch nichts weiter ins Auto ein, fokussieren dafür umso stärker ganzheitliche Prozesse von der Produktentwicklung über die Produktion, die Logistik bis zum Vertrieb und AfterSales. Was wir anders machen als andere Beratungen? Jeder unserer Berater agiert als fachlicher Experte. Bei großen Beratungsunternehmen ist meist ein Fachexperte vorhanden, der neun weitere Personen mit Methoden Know-how mitbringt. Bei uns, ist jeder als Experte mit Benzin im Blut und Methoden Know-how unterwegs. Das ist ein Aspekt, der die Qualität der Projekte, die wir abliefern auszeichnet.

 

„Man hat die fünf besten Leute zusammengetrommelt, mit der Aufgabe jetzt innovativ zu sein, aber in dem Moment hat es draußen 30 Grad, keiner bekommt etwas auf die Reihe und keiner ist innovativ – das passiert. Innovation auf Knopfdruck funktioniert nicht.“

Interview Ihr beruflicher Schwerpunkt liegt im Bereich Innovationsmanagement. Wie würden Sie den Begriff Innovation, ohne ein Fachbuch aufzuschlagen, definieren?

Dr. Kelkar Innovation hat was mit neu und mit wirtschaftlich zu tun. Es geht also darum Neues nutzbringend und wirtschaftlich einzusetzen. Für das Neue gibt es zwei Treiber – den Markt und die Technologie. Aktuell Treiben beide Faktoren, was die Entwicklung so spürbar schnell macht.

Bildquelle: Christoph Kübler

Interview  Wie sieht Ihr Arbeitsalltag im Innovationsmanagement bei MHP aus?

Dr. Kelkar Wir versuchen den Markt zu verstehen und zu sondieren, um Annahmen über zukünftige Marktentwicklungen zu treffen. Die Automobilindustrie verändert sich durch Themen wie Industrie 4.0, Elektromobilität, Digitalisierung, gesellschaftliche Veränderungen, Individualisierung, Urbanisierung sowohl auf der Seite der Produktherstellung als auch in der Nutzung der Produkte. Ein Auto wird zukünftig nicht fertig produziert sein, wenn es vom Hersteller zum Kunden wechselt, sondern genau wie unsere Smartphones in Zukunft neue Softwareupdates und Funktionen erhalten. Diese Entwicklungen sondieren wir, beschreiben mögliche Szenarien und sind in diesem Prozess gedanklich drei, fünf oder auch mal zwanzig Jahre weiter.

Aktuell machen wir uns intensiv Gedanken, wie die Mobilität im Jahr 2030 aussieht und wie es sein wird, wenn autonome Fahrzeuge in der Stadt unterwegs sind. Was passiert, wenn wir Robo-Taxis verwenden und wofür wir die damit gewonnene Zeit nutzen, aber auch wie wir den Verkehr reduzieren können. Kurz: wie wir unsere Städte ohne Verzicht lebenswerter machen können.

Interview Wie zum Beispiel über Sharing-Lösungen?

Dr. Kelkar Sharing Lösungen helfen zunächst nicht im Bereich der Verkehrsentlastung. Bei Sharing Lösungen besitzen weniger Personen ein Fahrzeug, aber wenn weiterhin nur eine Person im Fahrzeug ist, werden die zurückgelegten Reisekilometer die gleichen und die Straße weiterhin verstopft sein. Das heißt, wir müssen hier Intelligenz einbringen, einen Buscharakter schaffen und mehrere Personen über Pool-Lösungen flexibel mit einem Auto befördern. Zusätzlich aber auch die Waren- und Personenströme besser miteinander verbinden.

Interview  Ist der ganzheitliche Prozess, bei dem vielfältige Veränderungen sowohl in der Produktion als auch beim Kunden erkennbar sind, ausschließlich bei der Automobilindustrie vorhanden?

Dr. Kelkar Andere Branchen und Industrien erfahren einen ähnlichen Wandel. In der Automobilindustrie ist dieser allerdings viel auffälliger, da wir deren Produkte zahlreich nutzen. Ein Beispiel – beim Laserstrahldrucker von TRUMPF, haben wir die gleichen Entwicklungen – in der Produktion werden Methoden von Industrie 4.0 eingesetzt und das hergestellte Produkt selbst, lebt nach dem Produktionsprozess weiter. Nur wir als Endverbraucher merken das nicht direkt und täglich. Beim Auto ist das anders.

 

 

Das Interview führte Jonas Baumann im September 2016.

Teil 2 des Interviews wird in Kürze veröffentlicht.

MHP gehört als Porsche-Tochterunternehmen und Prozesslieferant mit dem Beratungsansatz der Symbiose aus Management- und IT-Beratung sowie als Automotive-Experte zu den führenden Beratungen weltweit. Detaillierte Informationen zum Unternehmen erhalten Sie über folgenden Link:  www.mhp.com

 

1 Kommentar

  1. Michael

    Interessanter Beitrag. Gefällt mir sehr gut!

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