(2/2) Prof. Dr. Kohlert / Hochschule Esslingen

(2/2) Prof. Dr. Kohlert / Hochschule Esslingen

Prof. Dr. Helmut Kohlert
Institutsleitung – Institut Marketing und Entrepreneurship (IME) Hochschule Esslingen
Zukunftsfähigkeit. Für Unternehmen stehen Innovationen in direkter Verbindung mit der Zukunft. Die Geschwindigkeit im gesamten Produktlebenszyklus von Innovationen hat sich in den letzten Jahrzehnten signifikant verkürzt. Durch erfolgreiche Innovationsaktivitäten gestalten Unternehmen aktive ihre eigene Zukunft.

Teil 2 des Interviews mit Prof. Dr. Helmut Kohlert, Professor und Leiter des Instituts Marketing und Entrepreneurship (IME) an der Hochschule Esslingen sowie Geschäftsführer des Beratungsunternehmens Kohlert & Company GmbH zu den Themen Zukunftsfähigkeit und der Förderung von Innovationsfähigkeit.

Interview Wie schaffen es Unternehmen in der heutigen Zeit innovativ zu sein?

Prof. Dr. Kohlert Vor zehn Jahren hatte ich einen Termin bei einem Unternehmen in Böblingen, das sich auf die Herstellung von innovativen Chips spezialisiert hat. Von der Organisationsstruktur war das Unternehmen in verschiedene Funktionsressorts, wie Einkauf, Produktion, Finanzen etc. untergliedert. Eines Tages wurden die Funktionsressorts organisatorisch aufgelöst. Die Botschaft war, dass es entscheidend ist gemeinsam funktionsübergreifend zu arbeiten, um Probleme zu lösen und organisatorische Silos abzuschaffen. Um als Unternehmen innovationsfähig zu agieren, ist es essentiell, entsprechende Strukturen zu schaffen, bei denen Menschen über Funktionsressorts hinweg gemeinsam Lösungen erarbeiten. Zum einen ist die menschliche Komponente von besonderer Bedeutung, zum anderen die inhaltlich fachlichen Ausrichtungen. Hierfür ist das richtige Personal als kritischer Erfolgsfaktor anzusehen. Im Team muss die Zusammenarbeit harmonieren, Technologietrends auf inhaltliche Machbarkeit überprüft werden und die Fähigkeit innovativ zu sein in einem entsprechenden Umfeld gefördert werden. Am Ende zeichnet sich Innovationsfähigkeit durch das passende Umfeld aus.

„Innovationen werden heutzutage weniger dem Zufallsprinzip überlassen. Es werden früher Kunden und Lieferanten in den Innovationsprozess eingebunden, früh globale Wachstumsmöglichkeiten fokussiert.“

Interview Wie wichtig ist die Zusammenarbeit über Unternehmensgrenzen hinweg und in diesem Sinne mit Open Innovation entsprechende Innovationen zu fördern?

Prof. Dr. Kohlert Im Zusammenhang mit immer kürzeren Produktlebenszyklen und dadurch zunehmendem Innovationsdruck für Unternehmen, ist es immer wichtiger eigene Kernkompetenzen zu identifizieren, sich auf diese zu spezialisieren und auf der gleichen Seite das Unternehmen zu öffnen und entsprechende Tätigkeiten auszugliedern. Hierfür ist Vertrauen notwendig, nicht nur im internen Team, vielmehr entstehen unternehmensübergreifende Teams mit Lieferanten und weiteren Partnern. Zusätzlich ist es wichtig, entsprechende Freiräume sowohl intern als auch extern und über alle Hierarchiestufen und Freiräume hinweg zu schaffen.

Interview Zählen Hierarchien im Bereich der Innovation als Barrieren?

Prof. Dr. Kohlert Es kommt darauf an, wie bestehende Hierarchien gelebt werden. Wenn Vorgesetzte im Team integriert sind und Schwächen der Mitarbeiter nicht ausgenutzt werden, dann sind Hierarchien nicht zwingend als Barrieren wahrzunehmen. Werden kulturelle Komponenten und positive Stimmung im Team gelebt, so nehmen diese einen förderlichen Aspekt für Innovationen ein und benötigen keine strikten Hierarchien. In einem Gespräch mit einem der fünf Gründerväter von SAP hatte ich vor einigen Jahren die Frage gestellt: „Was denn der Schlüssel des Erfolges von SAP war?“ – die Antwort darauf war: „Wir waren ein Team und haben uns blind vertraut.“ Ein sehr gutes Beispiel, welchen Stellenwert eine gute Zusammenarbeit im Team für den Erfolg einnehmen kann. Dies lässt sich auf den Einfluss von Hierarchie wiederspiegeln.

Bildquelle: Christoph Kübler

Interview Was unterscheidet Innovationen der heutigen Zeit mit Innovation vor 20 Jahren?

Prof. Dr. Kohlert Einerseits gibt es keine großen Unterschiede, denn der Mittelstand war schon immer extrem innovativ, weil auch in dieser Fähigkeit die einzige Chance besteht, um gegen Großbetriebe zu bestehen. Andererseits werden in der heutigen Zeit neue Bausteine innerhalb von Innovationsaktivitäten fokussiert. Hierzu zählen zunehmend systematische Ansätze sowie eine stärkere Konsequenz in der Innovationen vorangetrieben werden. Innovationen werden heutzutage weniger dem Zufallsprinzip überlassen. Es werden früher Kunden und Lieferanten in den Innovationsprozess eingebunden, früh globale Wachstumsmöglichkeiten fokussiert. Heute werden Innovationen entwickelt mit der Zielstellung einer weltweiten Vermarktung. Es besteht eine viel größere Ausrichtung an Skalierbarkeit und der Zielstellung von äußerst geringen Grenzkosten. Mit dieser Entwicklung ist der Begriff Innovationsmanagement entstanden.

Interview Welche Tools und Werkzeuge unterstützen bei der Entwicklung von Innovationen?

Prof. Dr. Kohlert Ein in den letzten Jahren entstandenes und sehr erfolgreich verwendetes Tool ist das Business Model Canvas, um alle wesentlichen Komponenten des Geschäftsmodells zu bearbeiten und entsprechende Struktur in den Entwicklungsprozess zu etablieren. Darüber hinaus ist die Benchbreaking-Methode, auch Blue Ocean versus Red Ocean Strategie, wichtig um sich im Markt zu unterscheiden und im Markt bestehende Regeln neu zu gestalten. Es wird der Frage nachgegangen, wo kann ich ganz gezielt mit einer Innovation einen neuen Markt schaffen oder bestehende Gegebenheiten in einem Markt neu gestalten. Wichtig in der Entwicklung von Innovationen ist auch nicht zu früh oder überhaupt keine Kompromisse eingehen sondern nach Validierung des Konzepts eine klare Linie zu fahren. Insbesondere viele junge Unternehmen scheitern daran, zu schnell Kompromisse einzugehen und von der Kernkompetenz abzukommen. Abschließend ist es äußerst wichtig den Kunden frühzeitig in den Entwicklungsprozess einzubinden, über Technologietage oder Lieferantenworkshops.

Interview Welche Besonderheiten weist die Wirtschaftsregion Stuttgart im Bundesvergleich oder internationalem Vergleich auf?

Prof. Dr. Kohlert Eine Besonderheit des sogenannten Neckar Valley, der Start-up Szene in der Region Stuttgart, ist, dass im Vergleich zu anderen Städten diese insbesondere von Unternehmen getrieben ist. In anderen Städten, wie Berlin oder München, ist diese Szene meist viel stärker personengetrieben. Im internationalen Vergleich spielt das Neckar Valley noch keine signifikante Rolle. Eine große Basis der Wirtschaftsregion in den zahlreiche mittelständische Unternehmen mit Hauptsitz in der Region zu sehen. Diese sind meist global ausgerichtet und generieren oft über 1 Milliarde Euro Umsatz. Zu erkennen ist, dass genau diese Unternehmen sehr stark an der Automobilindustrie ausgerichtet sind und damit verbunden eine starke Abhängigkeit besteht. Im Vergleich dazu hat sich beispielsweise die Region München, von einer ursprünglich identischen Ausrichtung, in den letzten Jahren vom Automobilbereich hinweg, zu einer stark High-Tech getriebenen Region entwickelt.

Das Interview führte Jonas Baumann.

Teil 1 des Interviews finden Sie im Digitalmagazin.

Weiterführende Informationen und Kontaktmöglichkeiten erhalten Sie über folgende Links: www.kohlertcompany.com/ und http://www.hs-esslingen.de/de/mitarbeiter/helmut-kohlert.html

(1/2) Prof. Dr. Helmut Kohlert / Hochschule Esslingen

(1/2) Prof. Dr. Helmut Kohlert / Hochschule Esslingen

Prof. Dr. Helmut Kohlert
Institutsleitung – Institut Marketing und Entrepreneurship (IME) Hochschule Esslingen
Zukunftsfähigkeit. Für Unternehmen stehen Innovationen in direkter Verbindung mit der Zukunft. Die Geschwindigkeit im gesamten Produktlebenszyklus von Innovationen hat sich in den letzten Jahrzehnten signifikant verkürzt. Durch erfolgreiche Innovationsaktivitäten gestalten Unternehmen aktive ihre eigene Zukunft.

Teil 1 des Interviews mit Prof. Dr. Helmut Kohlert, Professor und Leiter des Instituts Marketing und Entrepreneurship (IME) an der Hochschule Esslingen sowie Geschäftsführer des Beratungsunternehmens Kohlert & Company GmbH zu den Themen Zukunftsfähigkeit und der Förderung von Innovationsfähigkeit.

Interview Als Einführung für unsere Leser/innen: Welche Berührungspunkte haben Sie mit dem Themengebiet Innovation?

Prof. Dr. Kohlert An der Hochschule Esslingen biete ich im Masterstudiengang Innovationsmanagement den Kurs Marketing für Innovationen an, in dem wir die Themengebiete Vermarktung und Kommerzialisierung von neuen Produkten fokussieren. Gemeinsam mit Co-Referent Dr. Hüppauff von der Firma Bosch fokussieren wir verschiedene Kooperationsprojekte mit Unternehmen, um Studenten auf zukünftige Praxissituationen vorzubereiten. Neben den Tätigkeiten an der Hochschule, verfolge ich gemeinsam mit weiteren Partnern in meinem Beratungsunternehmen die Themenfelder Engineering Coaching, wo wir die Forschung & Entwicklung Tätigkeiten mit Fokus auf mittelständische Unternehmen optimieren. Aus dem Marketing kommend sind Innovationen und Forschung & Entwicklung entsprechende Themengebiete.

Interview Wie ist die Hochschule Esslingen im Bereich Innovationsmanagement aufgestellt?

Prof. Dr. Kohlert Seit mittlerweile über 10 Jahren ist der Masterstudiengang Innovationsmanagement an der Hochschule Esslingen erfolgreich integriert. Meiner Erfahrung finden die Absolventen nach einen guten Anschluss innerhalb der Wirtschaft. Es ist spannend zu sehen, wo zahlreiche Absolventen in den nächsten 5-10 Jahren arbeiten. Neben Sozialkompetenzen, wie beispielsweise der Kompetenz neue Themen überzeugend zu präsentieren, ist im Umfeld von Innovationen insbesondere erfolgsentscheidend mit unterschiedlichen Charakteren im Team erfolgreich zusammen zu arbeiten. Zusätzlich zum Masterstudiengang bieten wir auch im Bachelor den Kurs Innovationsmanagement sowie im MBA den Kurs Entrepreneurship mit hoher Innovationsausrichtung an.

Interview Wie würden Sie den Begriff Innovation definieren ohne ein Fachbuch aufzuschlagen?

Prof. Dr. Kohlert Eine Innovation ist immer etwas Neues. Sie hat sich immer am Markt durchgesetzt, sprich Sie haben damit Umsätze generiert. Es ist eigentlich immer etwas Neues dabei und das Neue ist entweder das Marktangebot, die Technologie oder der Vertriebsweg. Von diesen drei Elementen sind jeweils zwei neu. Alles drei wird nicht immer funktionieren. Das ist meine persönliche Definition einer Innovation. Andere verstehen unter einer Innovation rein technische Innovationen. Und wenn Sie mit rein technologiegetriebenen Unternehmen sprechen, werden Sie feststellen, dass sich diese meist eine nicht technologieorientierte Innovation gar nicht vorstellen können.

„Eine Innovation ist immer etwas Neues. Sie hat sich immer am Markt durchgesetzt, sprich Sie haben damit Umsätze generiert.“

Interview Wie grenzen Sie die beiden Begriffe Verbesserung und Innovation voneinander ab?

Prof. Dr. Kohlert Hier gibt es unterschiedliche Ansichten. Manche würden sagen, eine richtige Innovation muss disruptiv sein, das heißt sie muss völlig neue Käuferkreise erschließen. Der Begriff disruptive Innovation wurde von Christensen eingeführt und unterschiedlich verwendet. Im Original liegt folgende Definition zu Grunde. Ein junges kleines Unternehmen kommt neu auf den Markt und fokussiert sich zunächst auf eine Nische, aus Sicht der großen Platzhirsche sogenannte C Kunden. Diesen C Kunden bieten die kleinen Unternehmen neuartige und offensichtlich bessere Lösungen an. Die Lösungen der kleinen Unternehmen werden gekauft. Für die Platzhirsche ist das nicht weiter interessant, da es sich aus deren Sicht um C Kunden handelt. Nach und nach gewinnen die kleinen Unternehmen allerdings auch B Kunden und A Kunden und sobald das kleine Unternehmen die Marktmehrheit gewinnt, spricht Christensen von einer Disruption. Diese Entwicklung ist erkennbar, wenn das kleine Start-up das große Unternehmen ablöst. Hierfür gibt es in der Region einige Beispiele – denken Sie an Dual, denken Sie an Kodak, denken Sie an Nokia. Vor 10 Jahren konnte man sich ein Leben ohne Nokia nicht vorstellen, ein paar Jahre später weiß man, es geht auch ohne. Disruptive Innovationen sind immer dann gegeben, wenn exponentielle Steigerungen vorliegen, also nicht nur 5% Wachstum sondern 100% Wachstum pro Halbjahr.

Bildquelle: Christoph Kübler

Interview Sind Disruption und Innovation zwangsläufig miteinander verbunden?

Prof. Dr. Kohlert Immer. Es geht praktisch nicht ohne. In aller Regel sind es technologiegetriebene Innovationen, die besonders disruptiv sind. Um disruptiv zu sein, sind High-Tech Produkte erforderlich.

Interview Wie wichtig ist es für Unternehmen regelmäßig Innovationen hervorzubringen?

Prof. Dr. Kohlert Hierfür habe ich ein Beispiel der Firma Kärcher. In einer Studie aus dem Jahr 2002 hat das Unternehmen herausgefunden, dass 28 Prozent ihrer Kunden zur Kategorie der Neukunden zählen. Es ist davon auszugehen, dass im Wesentlichen durch innovative Lösungen Neukunden gewonnen werden. Jeder ist irgendwo eingefahren, hat seine Produkte, seine Prozesse, was üblicherweise gemacht wird und wechselt nur dann, wenn er tief enttäuscht von der aktuellen Lösung ist oder wenn das Unternehmen ein neues besseres Produkt liefern kann. Unternehmen, die innerhalb weniger Jahre stark gewachsen sind, wie z.B. Kärcher oder Festo, untermauern dieses Wachstum mit innovativen Lösungen. Zusätzlich kommt hinzu, dass der Produktlebenszyklus kürzer wird, wodurch Unternehmen kontinuierlich innovieren müssen.

Interview Wie wichtig ist es in dieser Phase einerseits Wachstum durch Innovation zu generieren und andererseits Stabilisierung durch das Kerngeschäft zu realisieren?

Prof. Dr. Kohlert Das ist ein sehr vielfältiges Thema und meist primär finanziell bedingt. Als Beispiel die Automobilindustrie. Hier können die Hersteller nicht ausschließlich in Elektromobilität investieren und die nächsten Jahre keine Innovationen im Bereich der Verbrennungsmotoren hervorbringen. Dies hat wesentliche Auswirkungen auf die Rendite und hier ist die Frage, ob finanzielle Polster vorhanden sind und ob diese Entwicklungen von Aktionären oder Inhabern der Familienunternehmen mitgetragen werden. Aus finanziellen Aspekten und aus Kapazitätsfragestellungen sind das definitiv vielfältige Herausforderungen mit verschiedenen Turbulenzen. Teilweise sind in diesen Phasen der Unternehmensentwicklung hohen Fluktuationen erkennbar, bei denen ganze Abteilungen das Unternehmen verlassen.

Interview Gibt es aus Ihrer Sicht Möglichkeiten diese Turbulenzen zu steuern?

Prof. Dr. Kohlert Ja, hier nehme ich Bezug auf unsere empirische Arbeit. Eine Lösung, die wir in festgestellt haben, besteht darin eine Ausgliederung von Innovationsaktivitäten zu schaffen. Innerhalb der Studie haben Unternehmen hervorgehoben, dass die Erwartungshaltung einer kommerzialisierten Innovation darin besteht, dass spätestens im nächsten Quartalsbericht, eine signifikante Auswirkung erkennbar ist und signifikant bedeutet Umsatzveränderungen in Höhe von über 10 Millionen Euro. Das ist schwierig zu realisieren und spricht für eine Ausgliederung von bestimmten Innovationsaktivitäten. Zweitens entsteht, wenn sie in einem Großunternehmen bestimmte Innovationsaktivitäten ausschließlich in einer Abteilung belassen, unzureichende Transparenz – oftmals ist nicht bekannt, was im nächsten Raum passiert. Daher die Ausgliederung, um Sichtbarkeit und Verfügbarkeit in alle Richtungen zu schaffen. Zusammenfassend agieren Unternehmen flexibler und wandlungsfähiger, wenn durch Ausgliederung der Quartalsdruck reduziert und interne Transparenz sowie Sichtbarkeit geschaffen wird. Der finanzielle Druck bleibt in dieser Unternehmensphase allerdings weiterhin bestehen. Allgemein wirken sich solche Umbrüche auf die Rendite eines Unternehmens aus. Andere Unternehmen, wie zum Beispiel Tesla, bewegen sich mit ihrem Kerngeschäft aktuell ausschließlich auf einem neuen Markt, das ist ein Vorteil, was die Steuerung von Innovationsaktivitäten betrifft, da keine Umbrüche notwendig sind.

 

Das Interview führte Jonas Baumann.

Teil 2 des Interviews in Kürze im Digitalmagazin gelistet.

Weiterführende Informationen und Kontaktmöglichkeiten erhalten Sie über folgende Links: www.kohlertcompany.com/ und http://www.hs-esslingen.de/de/mitarbeiter/helmut-kohlert.html

(2/2) Thorsten Gröne / Cevotec GmbH

(2/2) Thorsten Gröne / Cevotec GmbH

Thorsten Gröne

Mitgründer und Geschäftsführer Cevotec GmbH

Innovation an der Schnittstelle von Maschinenbau, Softwareentwicklung und Faserverbund – genau das verkörpert ein Münchener Startup, das die Industrialisierung in der Herstellung von komplexen CFK-Bauteilen vorantreibt. Was bisher aufwendig in Handarbeit erfolgte, kann nun, dank der Cevotec GmbH aus Taufkirchen bei München, automatisiert und maschinell erfolgen.

Teil 2 des Interviews mit Thorsten Gröne, Geschäftsführer und Mitgründer der Cevotec GmbH, zum Thema Innovation.

Interview Spiegelt sich denn Innovation auch in Eurer Firma wieder? Beispielsweise im Rahmen von Prozessen, Tools oder Anwendungen?

Gröne Gerade als Startup denkt man, man könnte auf jeden neuesten Trend aufspringen. Allerdings sollte man sich immer die Frage stellen, ob das auch sinnvoll ist und ob es zum eigenen Unternehmen und dessen Strukturen passt. Wie nutze ich Cloud Services sinnvoll, welche Tools verwende ich, wie effektiv gestalte ich meine Prozesse? Für fast alles gibt es heute eine digitalisierte Speziallösung, häufig als SaaS aus der Cloud. Als Unternehmer mit wenig Budget schaue ich immer nach der effektivsten Lösung, die heute und idealerweise noch in zwölf Monaten zu Cevotec passt. Prozesse und Tools sollten sich immer dem aktuellen Unternehmensstatus anpassen. Zwischen digitaler Buchhaltung und klassischen Laufzettel auf Papier kommt bei uns alles zum Einsatz. Die eingesetzten Tools müssen zu uns passen – egal ob digital oder analog. Wo wir uns aber definitiv absetzen wollen, ist unsere Außendarstellung. Die CFK-Branche ist recht traditionell. Damit wollen wir nicht brechen, aber durch unser Design und unsere Darstellung auffrischen. Unsere Technologie hat einen hohen innovativen Anspruch. Um die Technologie greifbar rüberzubringen, haben wir beispielsweise seit letztem Jahr Virtual-Reality-Brillen im Einsatz. Dadurch können Interessenten unsere Anlage in einem virtuellen Raum sehen und begutachten. Die Brillen sind auf der ersten Messe eingeschlagen wie eine Bombe. Das hat bislang am Markt keiner. Darüber hinaus können wir die Brille natürlich auch zu jedem Vertriebsgespräch mit potenziellen Neukunden mitnehmen und so die Anlage „live“ präsentieren. Das ist ein Wahrnehmungspeak, der hängen bleibt.

„Du musst als innovatives Unternehmen einen Wahrnehmungspeak erzeugen und herausstechen.“

Interview Innovation kann auch in der Unternehmenskultur eine Rolle spielen. Was hältst Du von den Arbeitsmodellen, die aus den USA zu uns nach Deutschland kommen? Google beispielsweise ist hier großer Vorreiter und wirbt mit flexiblen Arbeitszeiten auf Vertrauensbasis, Chillout-Areas oder Billardtischen in ihren Büros. Immer mehr Unternehmen in Deutschland folgen diesem Trend.

Gröne Ich stehe der ganzen Sache pragmatisch gegenüber. Auch hier muss man schauen, was zum eigenen Unternehmen passt oder nicht, und ob es meine Ziele als Unternehmen unterstützt. Flexible Arbeitszeiten sind bei uns Standard, wobei natürlich klar ist, dass jeder an Resultaten gemessen wird und sich die Zeit selbst sinnvoll einteilen muss. Tischkicker oder Billard-Tisch hat bei uns noch keiner vermisst. Aktuell haben wir auch keinen Platz dazu. Wenn wir sowas haben wollen würden, würden wir das sicher auch einrichten. Unsere Chillout-Area hingegen ist ein wichtiger Teil unserer Bürofläche: eine Couchlandschaft, die als Rückzugsort ebenso wie für Besprechungen genutzt wird. Was Mitarbeiter-Incentives angeht, kann man ohne großen Aufwand und hohe Kosten, aber mit ein wenig Kreativität  schon viel erreichen: Bei uns ist das gemeinsame Mittagessen in einer Top-Kantine mit Cevotec-Bezuschussung ein täglicher Fixtermin. Dazu kommen gemeinsame Events und Ausflüge, immer etwas Obst und Süßes im Schrank – wer sich für etwas einsetzt, soll sich dabei auch wohl fühlen. Ein gutes Büro kann nochmal ein Soft-fact sein, der den Arbeitsplatz attraktiver gestaltet. Ein attraktiver Arbeitsplatz ist sicher wichtig. Dies muss aber meiner Meinung nach nicht in dem Ausmaß erfolgen, wie es bei Google zu sehen ist. Google verfolgt andere Ziele als wir. Schöne und funktionale Möbel, schickes Wanddesign und ein ansprechender Boden bewirken schon Einiges. Bei uns zählt aber mehr, was es an Technik und Softwareausstattung gibt. Form follows function – das trifft bei uns jedenfalls so zu.

Bildquelle: Cevotec GmbH

Interview Als abschließende Frage: Was würdest du „innovativen Köpfen“ raten, die eine Idee haben, aber nicht so recht wissen, ob sie den nächsten Schritt wagen sollen?

Gröne Wer wirklich etwas starten möchte, aber einfach noch nicht weiß, wie vorzugehen ist, sollte am besten eine der zahlreichen Beratungsstellen aufsuchen, die es in Deutschland mittlerweile gibt. Hört sich einfach an, ist es auch. Das können Gründerzentren an Unis sein, wie hier in München z.B. die UnternehmerTUM, oder Netzwerke wie BayStartUp, aber auch die örtliche IHK oder private Gründerinitiativen. Des Weiteren kann man an einer der vielen Veranstaltungen in der Startup-Szene teilnehmen, relevante Newsletter lesen, mit Netzwerkern in der Szene über die eigene Idee sprechen. So kommt man Stück für Stück von der Idee zum Umsetzungskonzept. Den Schritt in die Gründung dann tatsächlich zu wagen, liegt letztlich aber immer an der Person selbst. Eine Unternehmensgründung ist mit Einschnitten verbunden. Da muss dann jeder für sich selbst abwägen, ob er diese Einschnitte in Kauf nehmen möchte oder nicht. Wer die intrinsische Motivation hat, der wird für sich eine Lösung finden. Und man sollte darauf achten, dass man das Ganze so angeht, dass man persönlich weiterleben kann, auch wenn die Gründungsidee eventuell gegen die Wand fährt – also nicht das Haus und die Oma auf die Geschäftsidee verpfänden. Letztendlich gibt es keine Innovation, die nicht auch ein Risiko birgt – dessen muss man sich bewusst sein.

 

Das Interview führte Bastian Brodbeck.

Teil 1 des Interviews ist im Digitalmagazin gelistet.

Cevotec bietet mit Fiber Patch Placement die erste Produktionstechnologie für Carbonbauteile (CFK) an, die mit sogenannten Patches arbeitet und es Herstellern ermöglicht, komplexe CFK Produkte in hohen Stückzahlen automatisiert herzustellen. Detaillierte Informationen über das Unternehmen erhalten Sie über folgenden Link: www.cevotec.com

(1/2) Thorsten Gröne / Cevotec GmbH

(1/2) Thorsten Gröne / Cevotec GmbH

Thorsten Gröne

Mitgründer und Geschäftsführer Cevotec GmbH

Innovation an der Schnittstelle von Maschinenbau, Softwareentwicklung und Faserverbund – genau das verkörpert ein Münchener Startup, das die Industrialisierung in der Herstellung von komplexen CFK-Bauteilen vorantreibt. Was bisher aufwendig in Handarbeit erfolgte, kann nun, dank der Cevotec GmbH aus Taufkirchen bei München, automatisiert und maschinell erfolgen.

Teil 1 des Interviews mit Thorsten Gröne, Geschäftsführer und Mitgründer der Cevotec GmbH, zum Thema Innovation.

Interview Thorsten, was verkörpert Cevotec und was ist das Besondere an der Geschäftsidee?

Gröne Mit der Fertigungsanlage Samba auf Basis der innovativen Fiber Patch Placement Technologie und der darauf abgestimmten CAD-CAM Software Artist Studio bieten wir unseren Kunden die erste industrielle, automatisierte Fertigungslösung für die Serienproduktion von komplexen Carbonbauteilen (CFK). Kurz zur Erläuterung: Die Herausforderung bei der Verarbeitung von Carbonfasern ist, komplexe Formen mit genau definierten Oberflächen herzustellen, ohne dass Material zerschnitten und aufwändig manuell zusammengefügt werden muss. Bislang galt dabei: je länger die Faser im Bauteil, desto besser. Wir sagen: je genauer die Fasern am Kraftfluss ausgerichtet sind, desto besser und haben diesen Vorgang automatisiert. Dazu zerlegt unsere Software zunächst die Komplexität der Bauteile in ihre Bestandteile und optimiert die Orientierung der Fasern. Dann werden die beiden hochpräzisen Roboter in der Fertigungsanlage so programmiert, dass Samba die Bauteile aus kleinen Stückchen, den sogenannten „Patches“, additiv über Krümmungen und Kanten hinweg aufbauen kann. Dieses Verfahren hat mehrere Vorteile: Komplexe Formen können automatisiert hergestellt werden (bislang war vieles Handarbeit).  Wir erreichen eine extrem hohe Materialeffizienz durch Materialersparnis und einen sehr geringen Verschnitt. Und: die freie Ausrichtung der Fasern im Bauteil verbessert Festigkeit und Steifigkeit der Bauteile. So kann CFK zum Beispiel im Leichtbau effizient eingesetzt werden.

Bildquelle: Cevotec GmbH

Interview Das heißt letztlich, Cevotec verkörpert eine Innovation. Wie würdest Du, ohne Fachbücher aufzuschlagen, den Begriff Innovation beschreiben?

Gröne In diesem Bereich bin ich vorbelastet, da ich vor meiner Zeit bei Cevotec als Strategieberater tätig war und auch im Rahmen meines MBA-Studiums in Barcelona und Berkeley regelmäßig mit Innovationsthemen in Kontakt kam. Im wirtschaftlich relevanten Sinne muss Innovation meiner Meinung nach ein Vorsprung sein, der an eine konkrete Anwendungsmöglichkeit geknüpft ist. Dabei kann es sich um einen technischen Vorsprung handeln, was häufig der Fall ist, aber auch um einen Vorsprung, der sich durch andere Veränderungen ergibt, wie z.B. im Marketing und Vertrieb. Viele Startups stellen ihre Vision oder Werte an den Anfang einer Selbstvorstellung. Das sind wichtige Aspekte, sicher, aber wir fangen erstmal mit der Frage an, was denn eigentlich das Problem ist, das es zu lösen gilt. Worin bestehen meine Innovation und der Grund meines Unternehmensdaseins? Innovation muss zielgerichtet auf ein Problem angewandt werden, so dass das technisches Know-How und die wirtschaftliche Anwendung zusammenkommen. Technischer Vorsprung – oft der Kern einer Innovation – entsteht zumeist dort, wo sich verschiedene Disziplinen kreuzen. Wir bei Cevotec beschäftigen beispielsweise nicht nur Ingenieure, die ihren Schwerpunkt im Faserverbund haben, sondern auch Ingenieure, die ihren Schwerpunkt in Prozesstechnologie haben. Und vor allem auch Software-Ingenieure – die stellen aktuell das größte Team. Es ist genau diese Mischung, die Fortschritt entstehen lässt, wenn die unterschiedlichen Teams zusammen an einer Herausforderung arbeiten.

 

„Es muss etwas entstehen, was ein relevantes Problem von vielen Menschen löst. Das ist der Punkt.“

Neunzig Prozent der Innovationen werden immer noch am Produkt selbst umgesetzt. Das ist wichtig und ein gutes Produkt ist die Basis für Nachhaltigkeit. Nach dem Konzept der „Ten types of innovation“ (https://www.doblin.com/ten-types) geht es aber nicht nur um das Produkt, das ein Unternehmen innovativ macht, sondern auch um das, was drum herum geschieht. Beispielsweise um die Interaktion mit dem Kunden, die Vertriebswege oder auch um veränderte interne Strukturen und Prozesse. Um als nachhaltiger Innovator am Markt wahrgenommen zu werden und damit erfolgreich zu sein, sollte man mindestens an drei bis vier Schrauben drehen und sich nicht nur auf sein Produkt verlassen.

„Aus dem Begriff „Industrie 4.0“ wird bei uns deshalb auch gerne mal „Composites 4.0.““

Interview Würdest du sagen, dass Innovationen in Deutschland ausreichend gefördert werden?

Gröne An sich ist die Förderung in Deutschland durch staatlich geförderte Organisationen sehr gut gestaltet. Wir haben Cevotec im Rahmen des EXIST Forschungstransfer-Programmes des Bundeswirtschaftsministeriums gegründet. Es gibt sehr viele Möglichkeiten, vielleicht auch zu viele, wodurch man schnell die Übersicht verlieren kann. Nicht jede Förderung ist immer sinnvoll, aber es gibt genügend potenzielle Geldtöpfe für Startups und Mittelstand, die Innovationen fördern. Die Möglichkeiten sind in Deutschland wesentlich präsenter als beispielsweise in den angelsächsisch geprägten Ländern. Administration und Bürokratie könnten natürlich noch weiter vereinfacht werden, aber es geht auch immer um eine Menge Geld, so dass man gewisse formelle Anforderungen nachvollziehen kann. Man sollte sich von dem Paragraphendschungel nicht verunsichern lassen. Am Ende sitzen auch in den Behörden nur Menschen, und die wollen wie man selbst, das mögliche Förderprojekte erfolgreich durchgeführt werden. Und mit diesen Menschen kann man sprechen. Wir haben bislang gute Erfahrungen gemacht. Das Wichtigste für ein erfolgreiches Förderprojekt: etwas entwickeln, was ein relevantes Problem vieler Menschen löst.

 

Das Interview führte Bastian Brodbeck.

Teil 2 des Interviews wird in Kürze veröffentlicht.

Cevotec bietet mit Fiber Patch Placement die erste Produktionstechnologie für Carbonbauteile (CFK) an, die mit sogenannten Patches arbeitet und es Herstellern ermöglicht, komplexe CFK Produkte in hohen Stückzahlen automatisiert herzustellen. Detaillierte Informationen über das Unternehmen erhalten Sie über folgenden Link: www.cevotec.com

(2/2) Eleftherios Hatziioannou / smoope GmbH

(2/2) Eleftherios Hatziioannou / smoope GmbH

Eleftherios Hatziioannou

Mitgründer und Geschäftsführer smoope GmbH

Digitalisierung. Für viele Personen nach wie vor Neuland und Modewort. Zahlreiche Unternehmen, Produkte und Branchen verändern sich dadurch und werden zukünftig aus einem anderen Umfeld heraus existieren. In Zeiten der digitalen Transformation sind Wandel und Veränderung zentrale Erfolgsfaktoren, um neue Chancen und Innovationsfelder zu nutzen.

Teil 2 des Interviews mit Eleftherios Hatziioannou, Mitgründer und Geschäftsführer der smoope GmbH, zu den Themen Digitalisierung,  Innovationen im Start-Up Bereich und Innovationsentwicklungen am Standort Stuttgart.

Interview Worin bestehen im Bereich der Digitalisierung die größten Herausforderungen?

Hatziioannou Digitalisierung steht für Veränderung und somit für etwas Neues. Menschen waren noch nie gut darin, das Neue mit offenen Armen zu empfangen. Im Gegenteil, alles was neu erscheint, alles was mich zwingt mein Verhalten zu ändern und Ungewissheit mit sich bringt, ist zunächst negativ behaftet. Dieses Verhalten liegt im Ur-Instinkt von uns Menschen, um somit Schutz zu erfahren und unser Überleben zu sichern. Es ist wichtig, und das haben sehr viele Menschen und Unternehmen erkannt, dass sich das Rad trotzdem weiter dreht. Digitalisierung sollte nicht als Teil des Problems, sondern Teil der Lösung verstanden werden. Wie bei jedem Thema ist es auch in Digitalisierungsfragen förderlich, die Überzeugungskraft auf höchster Hierarchieebene zu schaffen. Je mehr der Chef an die Sache glaubt, desto schneller durchdringen diese Themen die gesamte Organisation. Unternehmen müssen sich dem Thema öffnen, eine Strategie entwickeln und sich von verschiedenen Perspektiven inspirieren lassen. Hierzu zählen beispielsweise Ideen von Mitarbeitern und Kunden. Ein Loslösen von vergangenheitsbezogenen Denkweisen hin zu zukunftsbezogenen Denkweise ist hierbei sicherlich zielführend. Generationen, die in der digitalen Welt aufgewachsen sind – die jungen Wilden, die Generation Y, spielen eine zentrale Rolle und können hierbei wichtige Impulse geben sowie dabei helfen zukünftige Produkte und Services zu beschreiben, da Sie den Kunden von heute bzw. morgen repräsentieren.

Interview Welche konkreten Werkzeuge oder Tools sind im Bereich der Digitalisierung für Unternehmen wichtig, um Innovationen zu entwickeln?

Hatziioannou Ein Werkzeug das meiner Meinung nach insbesondere in mittelständischen Unternehmen sehr gut funktionieren kann, ist das Konzept von Reverse-Mentoring. Normalerweise kennt man Mentoren-Konzepte in der Konstellation, dass die Älteren (Weisen) den Jungen sagen, wo es lang geht. Bei Reverse-Mentoring ist ein Perspektivenwechsel das Ziel. Der junge Mitarbeiter zeigt dem Älteren neue Lösungen und neue Wege. Sprich der Auszubildende begleitet den Geschäftsführer für einen bestimmten Zeitraum und beide Personen beobachten die Mediennutzung sowie andere Faktoren der anderen Seite. In dieser Konstellation können sich beide Welten kennenlernen und voneinander lernen. Der Geschäftsführer hat die Möglichkeit aktiv das Gespräch zu suchen und gezielt Fragen zu stellen, z.B.  wie würdest Du das lösen oder ist das überhaupt relevant was wir hier besprechen? Das halte ich für einen sehr interessanten Ansatz. Es ist wichtig, Bewusstsein zu schaffen und Mitarbeitern zu signalisieren, dass bestimmte Themen wichtig sind, um somit Offenheit zu schaffen.

Bildquelle: Christoph Kübler

Interview In welchem Zusammenhang stehen Innovation und Offenheit?

Hatziioannou Offenheit ist ein sehr wichtiges Stichwort. Ein Begriff der diese beiden Wörter miteinander verbindet ist mit dem Begriff Open Innovation zu beschreiben. Viele Ideen, die Unternehmen in die nächste Ära und Phase führen, sind oftmals bereits vorhanden. In zahlreichen Köpfen von Mitarbeitern, in geäußerten Bedürfnissen von Kunden und Lieferanten. Hier ist es wichtig, diese Punkte zu sammeln, zu nutzen und in verschiedenen Phasen einzubinden. Ich bin der Meinung, dass Offenheit äußerst wichtig ist und das in dieser Konstellation beide Welten von etablierten und jungen Unternehmen profitieren können.

Interview Was für Besonderheiten weisen beide Welten der Wirtschaftsregion Stuttgart auf?

Hatziioannou Wir werden weder ein besseres Berlin, noch ein neues Silicon Valley in der Region etablieren. Wichtig ist es, eine Region mit eigener Identität weiterzuentwickeln. Nennen wir es einfach mal Neckar Valley. In unserer Region sind zahlreiche etablierte Firmen vertreten, die in ihrem Bereich Weltmarktführer sind und somit den Grundpfeiler unserer heutigen Wirtschaft bilden. Hinzu kommt unsere schwäbische Arbeitsmentalität, die sich einerseits durch Sparsamkeit aber auch durch das Hinterfragen von Dingen und nicht blind darauf hin arbeiten kennzeichnet. Diese Eigenschaften sind sowohl eine Tugend als auch ein Problem. Um Neues zu schaffen, müssen neue Wege gegangen und etwas gewagt werden. Wir müssen mehr Risiko eingehen, uns gegenüber neuen Themen öffnen und weiter investieren, damit wir unsere Zukunft weiterhin erfolgreich gestalten. Nicht jeder Schritt wird von Erfolg gekrönt sein, aber das macht nichts. Ich weiß nicht, wie viel Fehlstarts das erste Automobil hatte, bevor es tatsächlich länger auf der Strecke unterwegs war. Genauso ist es heute auch – wir müssen Fehltritte zulassen, um Wege zur Lösung zu finden. Mehr Offenheit, mehr Mut und eine Zusammenarbeit auf Augenhöhe zwischen etablierten und neuen Unternehmen sind wichtige Erfolgsfaktoren zukünftiger Entwicklungen.

„Am Ende zählen die menschliche Vernetzung und Zusammenarbeit zu den zentralen Erfolgsfaktoren der Digitalisierung, denn hinter jeder Technologie stecken letztlich doch wieder Menschen.“

Interview Wie sehen erfolgreiche Zusammenarbeiten zwischen etablierten und Startup Unternehmen aus?

Hatziioannou Um erfolgreiche und von Innovation geprägte Zusammenarbeiten beider Welten zu etablieren, ist es ist wichtig Begegnungen auf Augenhöhe und somit zielführende Kooperationen aufzubauen. So ist es beispielsweise in Amerika nicht unüblich, dass Kooperationen mit kleinen Unternehmen mit winzigen Teams stattfinden. In Deutschland finden diese Formen der Kooperation nur selten statt. Oftmals werden Ideen kleiner Unternehmen von großen Unternehmen aufgenommen und anschließend selbst umgesetzt oder falls Kooperationen zu Stande kommen, bremsen existierende Entscheidungswege von Konzernen. Bis Entscheidungen für  Zusammenarbeiten oder Prototypen getroffen werden, kann es sein, dass kleine Unternehmen gar nicht mehr existieren. Um erfolgreiche Zusammenarbeiten beider Welten zu etablieren, benötigen wir deshalb Austausch und Kooperation auf Augenhöhe, die schnelle Entscheidungsprozesse und einen schnellen Zugang zu Unternehmen. Zusätzlich ist es wichtig, dass umfassender Austausch und Begegnungen in z.B. Co-Working Spaces stattfinden, in denen sich beide Welten begegnen können. Unterschätze niemals die Kraft spontaner Begegnungen. Am Ende zählen die menschliche Vernetzung und Zusammenarbeit zu den zentralen Erfolgsfaktoren der Digitalisierung, denn hinter jeder Technologie stecken letztlich doch wieder Menschen.

 

Das Interview führte Jonas Baumann.

Teil 1 des Interviews ist im Digitalmagazin gelistet.

Die smoope GmbH ist ein junges Unternehmen aus dem Raum Stuttgart, das Messenger-basierte Kommunikationslösungen für Unternehmen entwickelt. Sogenannte Messenger haben sich neben Telefon und E-Mail zu einem neuen Kommunikationsstandard entwickelt. Detaillierte Informationen zum Unternehmen erhalten Sie über folgenden Link: www.smoope.com